
Das Gedenkzeichen für die jüdischen Häftlinge des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück befindet sich auf einer mit Bäumen bestandenen Wiese zwischen dem Ufer des Schwedtsees und der ehemaligen Lagermauer. Die idyllische Situation des gerahmten Hains mit Blick über den See auf das Städtchen Fürstenberg steht in schmerzhaftem Kontrast zu der Gewalt, die sich diesem Ort unauslöschlich eingeschrieben hat.
Liegende Steine, roh, mit in der Oberfläche eingravierten Inschriften, Zitate von jüdischen Frauen, Männer und Kinder, die im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert waren, erinnern und legen offen darüber Zeugnis ab.
Die fragmentarisch kurzen Aussagen klingen wie Stimmen im „Hier und Jetzt“. Stellvertretend vergegenwärtigen sie konkrete Wahrnehmungen, Gefühltes und Erfahrenes. Ihre Worte erzählen vom Alltag in ständiger Angst und Entbehrung, von Sorge um die Angehörigen und vom Versuch, Menschlichkeit inmitten der Gewalt zu bewahren. Die Sprache der Stimmen bleibt beschreibend. Sie setzt weniger auf eine Wertung des Geschehenen, sondern vertraut auf die innewohnende Würde der Worte. Die Vielsprachigkeit bestätigt die Tatsache, dass die Inhaftierten aus ganz Europa an diesen Ort verbracht wurden. Die Verständigung war auch deshalb nur erschwert möglich.
Die Verteilung der in die Wiese gebetteten 40 Steine wirkt zufällig. Sie folgt keiner gesuchten Ordnung oder Symmetrie. Die Anordnung fügt sich in die vorhandenen Gegebenheiten. Sie stellt in dieser Form auch ein Sinnbild für die erfahrene Willkür dar, mit mit der Jüdinnen und Juden verschleppt wurden. Die Ausrichtung der Steine nach Jerusalem eröffnet einen Ausweg – eine spirituelle Perspektive. Sie bringt eine übergreifende Verbundenheit und Hoffnung auf ein besseres „Morgen“ hervor. In der jüdischen Tradition steht die Zahl 40 für eine Zeit des Übergangs und der Erneuerung.
Ein Stein bleibt unbeschriftet. Er ist als Leerstelle und Lücke vieldeutig zu verstehen. Er verweist auf die große Zahl der hier nicht namentlich Genannten ebenso wie auf die vielen abgebrochenen, unvollendeten und zerstörten Biographien. Es ist eine Leerstelle, die ausdrückt, dass Verlust nicht nur im Gesagten, sondern auch im Unfassbaren zu suchen ist – dort, wo jede Darstellung versagt.
Blick auf die Fläche zwischen Ufer und Lagermauer vor der Beisetzung der Steintafeln
Lageplan des Gedenkzeichens
3D-Simulation mit Blick vom Ufer auf das Gedenkzeichen, im Hintergrund die Lagermauer
